2025-12-01
6 weitere Kommunikations-Tipps für Deutsche in der Schweiz
1 Einleitung
Für Personen, die Deutsche in der Schweiz coachen, sind die spezifischen Herausforderungen der grenzüberschreitenden Kommunikation ein zentrales Thema. Der Umzug in die Schweiz verspricht eine hohe Lebensqualität, Verlässlichkeit und eine respektvolle Umgangskultur. Dennoch können trotz der scheinbar gemeinsamen Sprache subtile, aber wirksame Unterschiede in den Kommunikationsgewohnheiten zu Missverständnissen führen und die Integration erschweren.
Dieser Blog beleuchtet die Kunst der grenzüberschreitenden Kommunikation und bietet wertvolle Impulse sowie konkrete Werkzeuge für die optimale Vorbereitung auf die Schweizer Arbeits- und Alltagskultur. Es handelt sich um den zweiten Teil in der Kommunikationsreihe.
Die Beispiele skizzieren bewusst eine Polarisierung, die auf realen Erfahrungen basiert. Sie dienen dazu, typische Stolpersteine aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, um diese elegant zu umschiffen. Basierend auf einem inspirierenden Abend mit zwei Schweizer Urgesteinen, wurden 6 goldene Tipps für Expats, Grenzgänger und Geschäftsleute in der DACH-Region zusammengestellt. Diese können dabei unterstützen, Brücken zu bauen, Missverständnisse zu vermeiden und eine erfolgreiche Etablierung in der neuen Umgebung zu fördern.
2 Ironie und Sarkasmus vorsichtig dosieren – Die Kunst des Humors
Deutscher Humor kann schnell als zu spöttisch oder gar verletzend ankommen. Schweizer bevorzugen eine trockenere, weniger pointierte Form der Heiterkeit.
Ungeeignet: «Super Plan – das wird ja ein voller Erfolg!» (mit sarkastischem Unterton)
Besser: «Ich sehe da noch ein paar Herausforderungen – lass uns gemeinsam schauen, wie wir sie lösen können.
Coaching-Impuls: Trainiere mit deinen Klienten und Klientinnen, Humor bewusst als verbindendes Element einzusetzen und im Zweifel lieber einmal weniger als zu viel Ironie.
3 Privatsphäre achten – Die Kunst des Smalltalks
Deutsche neigen dazu, schnell persönlich zu werden. Schweizer schätzen jedoch eine klare Trennung zwischen Beruflichem und Privatem, zumindest am Anfang.
Ungeeignet: «Und, was verdient man hier so in deiner Position?»
Besser: «Hast du am Wochenende auch so schöne Wetter gehabt?» oder «Warst du schon mal auf dem Säntis?
Coaching-Impuls: Hilf deinen Klienten und Klientinnen, geduldig Beziehung aufzubauen. Wer die Privatsphäre respektiert, wird früher oder später von selbst eingeladen.
4 Lautstärke reduzieren – Die Kunst der Zurückhaltung
Ein lautes, dominantes Auftreten wirkt in der Schweiz schnell aufdringlich. Bescheidenheit in Ton und Volumen wird als Stärke gewertet.
Ungeeignet: Mit lauter Stimme durch die Beiz rufen: «Noch zwei Bier hier drüben!»
Besser: In normaler Gesprächslautstärke bestellen und dabei Blickkontakt und ein freundliches «Danke vielmals» nicht vergessen.
Coaching-Impuls: Lass deine Klienten und Klientinnen üben, ihre Präsenz durch ruhige Souveränität statt durch Lautstärke zu zeigen, das kommt enorm gut an.
5 Geduld statt Drängeln – Die Kunst des Konsenses
Entscheidungen brauchen in der Schweiz oft etwas länger, weil sie breit abgestützt werden sollen. Druck ausüben führt selten zum Ziel.
Ungeeignet: «Jetzt müssen wir aber endlich mal entscheiden!»
Besser: «Ich habe die wichtigsten Punkte nochmals zusammengefasst, wann würde es euch passen, dazu Stellung zu nehmen?
Coaching-Impuls: Unterstütze deine Klienten und Klientinnen dabei, Prozesse als gemeinsame Reise zu sehen. Wer Geduld zeigt, gewinnt langfristig mehr Einfluss.
6 Preis-Diskussionen vermeiden – Die Kunst der Gelassenheit
Jammern über die hohen Preise ist ein Dauerbrenner und für Schweizer meist ein rotes Tuch.
Ungeeignet: «Sieben Franken für einen Kaffee – seid ihr wahnsinnig?»
Besser: Einfach bezahlen und denken: «Ich verdiene hier ja auch entsprechend mehr.» Nichts sagen und lächeln, sollte Alternative eins sein.
Coaching-Impuls: Arbeite mit deinen Klienten und Klientinnen an einer Haltung der Wertschätzung statt des Vergleichs. Wer die Schweizer Lebenshaltungskosten akzeptiert, signalisiert echte Ankunftsenergie.
7 Lokale Bräuche ernst nehmen – Die Kunst der echten Neugier
Desinteresse oder Spott über Traditionen wie Fasnacht, Schwingfest oder 1. August-Feiern kommt gar nicht gut an.
Ungeeignet: «Schwingfest? Das ist doch nur Ringkampf im Sägemehl.»
Besser: «Ich kenne das noch nicht so genau – kannst du mir erklären, worauf es da ankommt?
Coaching-Impuls: Ermutige deine Klienten und Klientinnen, aktives Interesse zu zeigen. Wer fragt statt abwertet, wird schnell als Teil der Gemeinschaft wahrgenommen.
8 Fazit: Souverän ankommen – mit Respekt und Gelassenheit
Die Schweiz honoriert genau die Tugenden, die auch in zwischenmenschlichen Beziehungen weltweit funktionieren: Respekt, Geduld und echte Wertschätzung. Wer diese zwölf Prinzipien (die sechs aus Teil 1 und die sechs von heute) verinnerlicht, wird nicht nur beruflich erfolgreicher, sondern auch privat schneller heimisch.
Als Coach hast du die wunderbare Möglichkeit, deine Klienten und Klientinnen genau dabei zu begleiten, hin zu einer Kommunikation, die Türen öffnet statt sie zuzuschlagen. Denn am Ende läuft die Zusammenarbeit dann tatsächlich gut und verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk.
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Admin - 12:12:34 @ Coaching / Beratung